Publikumspresse
39. Deutscher Sportärztekongress in Hamburg eröffnet
Die Sportmedizin als Hoffnungsträger im Kampf gegen Zivilisationserkrankungen
Hamburg, 15. September 2005 – Im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten nimmt die Sportmedizin eine zunehmend wichtige Rolle ein. Eine logische Entwicklung, denn die Bewegungsarmut in unserer Gesellschaft ist beispielsweise einer der Hauptgründe für die anhaltend hohen Krankheits- und Sterberaten bei Herz-Kreislaufleiden. „Bewegung ist Leben“ heißt daher auch das Motto des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), der derzeit in Hamburg mit über 1000 Teil-nehmern stattfindet.
„Ohne die notwendige Steigerung der körperlichen Aktivität bei allen Bevölkerungsgruppen,“ so Kongress-Präsident Prof. Klaus-Michael Braumann, „ wird es in der Zukunft zu einer dramatischen Entwick-lung für unser Gesundheitssystem kommen.“
Das Beispiel Alters-Diabetes, ein wichtiger Risikofaktor z. B. für den Herzinfarkt, macht dieses Szenario deutlich. Schon etwa 7 Millionen Menschen sind heute in Deutschland von dieser Erkrankung betroffen. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass bei einer anhaltenden Bewegungsarmut und dem hiermit verbundenen Auftreten eines Übergewichts sich die Zahl der Diabetes-Patienten in den kommenden zehn Jahren sogar verdoppeln könnte. Der Alters-Diabetes, in der Vergangenheit eher ein Leiden im fortgeschrittenen Lebensalter, wird heute zuweilen schon bei übergewichtigen Kindern diagnostiziert.
Neue Erkenntnisse in Verbindung mit Bewegungsprogrammen für Diabetiker sind daher auch einer der Schwerpunktthemen auf dem Hamburger Kongress, der sich überhaupt intensiv mit Sport-möglichkeiten für ältere Menschen beschäftigt. Die vorliegenden Ergebnisse sind dabei ermutigend: Mit der angemessenen Belastung, die jeweils individuell von einem Sportmediziner festgelegt werden sollte, lassen sich hervorragende Resultate hinsichtlich der Verbesserung bestehender Krankheitsbilder bewirken. Oftmals kommt es durch die sportlichen Aktivitäten auch zu einer Steigerung der kognitiven Leistungen der Senioren, ebenso lassen sich eindeutige Verbesserungen hinsichtlich sozialer Kontakte beobachten.
Menschen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, profitieren von einem gezielten Sportprogramm im besonderen Maße. Wahrscheinlich, so die jüngsten Forschungsergebnisse, werden durch den Sport Stammzellen mobilisiert, die in den geschädigten Geweben einen Reparaturprozess einleiten.
Nicht nur bei den älteren Patienten sollte der Einstieg in den Sport zur Verbesserung der Fitness und Gesundheit jedoch immer ärztlich begleitet werden, damit Risiken für Herz und Kreislauf infolge einer zu hohen Belastung vermieden werden. Eine zu hohe Anfangsbelastung kann auch dazu führen, dass die Lust am Sport schnell wieder vergeht und somit die Chance für die Prävention vieler Krankheiten vertan wird. Eine zu geringe Belastung ist allerdings ebenfalls nicht der richtige Weg, da hierdurch die möglichen positiven Effekte für Gesundheit und Wohlbefinden nicht effektiv ausgeschöpft werden.
Für Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden – ebenso eine typische Zivilisationserkrankung unserer Zeit – hat die Sport- und Bewegungsmedizin ebenfalls zunehmend bessere Behandlungsmethoden entwickelt, die bei konsequenter Umsetzung häufig operative Maßnahmen wie Bandscheibenoperationen überflüssig machen.
Hoffnung durch neue operative Verfahren bietet die Sportmedizin allerdings für Sportler mit schweren Knieverletzungen. Die Ergebnisse von Kreuzbandoperationen in Verbindung mit einer intensiven physiotherapeutischer Anschlusstherapie konnten weiter verbessert werden und ermöglichen immer häufiger die erfolgreiche Fortsetzung von Sportlerkarrieren. Auch die Knorpelersatztherapie bei schweren Knieschäden liefert zunehmend bessere Resultate und wird vielleicht in der Zukunft bei bislang hoffnungslosen Fällen wieder eine sportliche Perspektive aufzeigen können.
Die Begleitung des Leistungssports bleibt selbstverständlich weiterhin ein Schwerpunkt der Sportmedizin. In Hamburg werden z. B. neue Erkenntnisse zum Höhentraining vorgestellt. Spektakulär ist auch eine Analyse der Trainingsmethoden in der Fußball-Bundesliga. Betrübliches Ergebnis: Im internationalen Vergleich ist die Trainingsarbeit in den Profiklubs nicht optimal. Speziell die richtige Belastungsdosierung im Training ist bei vielen Profiklubs verbesserungswürdig. „Die zuweilen enttäuschenden Leistungen unserer Nationalmannschaft bzw. das frühzeitige Ausscheiden unserer Klubs in den Europapokalspielen kann durchaus mit den Erkenntnissen der Untersuchung in Verbindung gebracht werden,“ so Prof. Braumann.
Regelmäßiger Sport hilft Frauen in den Wechseljahren
Hamburg, 17. 9. 2005 – Frauen in den Wechseljahren sollten auf jeden Fall Sport treiben. Dass es sich wirklich lohnt, zeigte eine Studie der Universität Erlangen, die jetzt auf dem Sportärztekongress in Hamburg vorgestellt wurde. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keinen Sport trieb, wiesen sportliche Frauen nach vier Jahren eine höhere Knochendichte auf, hatten somit der durch den Östrogenmangel bedingten Osteoporoseentwicklung erfolgreich entgegen gewirkt.
Das wöchentliche Training in der Gruppe (Laufen, Spiele, Sprungübungen) hatte auch die Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen günstig beeinflusst: Der Anteil des Körperfetts war deutlich verringert, die Blutfettwerte waren signifikant günstiger als bei den unsportlichen Frauen.
Durch die Fitness-Aktivitäten, so die Wissenschaftler, traten darüber hinaus typische Wechseljahresbeschwerden und Rückenbeschwerden seltener auf.
Problem Tennisellenbogen: Vorteil für die Stoßwellentherapie!
Hamburg, 17.9. 2005 – Die operative Behandlung eines „Tennisellenbogens“ war in der Vergangenheit häufig die einzige Möglichkeit für Tennisspieler, das schmerzhafte Problem aus der Welt zu schaffen. Wie auf dem Sportärztekongress in Hamburg jetzt mitgeteilt wurde, lassen sich ebenso gute Ergebnisse jedoch auch durch eine Extrakorporale Stoßwellentherapie erzielen. Operationsbedingte Komplikationen werden hierdurch vermieden, berufliche Ausfallzeiten fallen weg und auch die Wiederaufnahme des Sports kann schneller erfolgen.
„Fett verbrennen“ – es darf ruhig schneller und kürzer gelaufen werden!
Hamburg, 17.9. 2005 – Körperfett wird nur verbrannt, wenn man sehr lange und vor allem sehr langsam läuft oder Rad fährt. Diese Botschaft hat sich in den Köpfen der Deutschen, die mit Hilfe des Sports nicht nur überflüssige Pfunde, sondern vor allem Fettpölsterchen loswerden wollen, in den letzten Jahren festgesetzt. Für Berufstätige mit engem Zeitplan ist die Umsetzung der Methode allerdings ein Problem, viele haben daher von vorne herein resigniert. Zu Unrecht, wie sich jetzt auf dem Sportärztekongress in Hamburg heraus gestellt hat. In mehreren Studien wurde dort gezeigt, dass die Fettverbrennung auch durch höhere Intensitäten beim Sport mindestens genau so gut gelingt. Da für die Gewichtsabnahme allein die Höhe des Kalorienverbrauchs entscheidend ist, lässt sich durch einen etwas schnelleren Dauerlauf, bei dem natürlich mehr Kalorien pro Minute als beim „Zuckeltrab“ verbraucht werden, dementsprechend genauso gut das „Fett verbrennen.“
Wie gefährlich ist Frauen-Fussball?
Hamburg, 17.9. 2005 – Frauen-Fußball wird in Deutschland immer populärer, über die Verletzungsgefahren der Spielerinnen ist allerdings noch wenig bekannt. Daher hat die Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit der Schulthess Klinik in Zürich Art und Häufigkeit von Verletzungen der deutschen Erstligaspielerinnen untersucht. Die Gesamtinzidenz betrug 7,2 Verletzungen pro 1000 Spielstunden Fußball. Die häufigsten Verletzungen passierten während des Spiels und traten am Spielbein – meist am Sprunggelenk, Knie oder Oberschenkel – auf. Besorgniserregend ist in erster Linie die hohe Rate an Kreuzbandverletzungen. Daher sollte schnellstmöglich ein wissenschaftlich durchdachtes Präventionsprogramm in die Trainingskonzepte eingeführt werden.
Insgesamt – so die Wissenschaftler auf dem Sportärztekongress in Hamburg – sind die Untersuchungsergebnisse mit denen des professionellen Männerfußballs vergleichbar. Bei den Frauen werden allerdings deutlich mehr Bänder- und weitaus weniger Muskelverletzungen festgestellt, was aufgrund der instabileren Gelenke verursacht sein könnte. Auch hormonelle Gründe könnten in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.
Fitnessstudie: Laufband verbrennt die meisten Kalorien
Hamburg, 17.9. 2005 – Auf welchem Fitness-Gerät verbraucht man die meisten Kalorien? Welches strengt am wenigsten an? Eine Arbeitsgruppe aus Köln präsentierte die Antworten auf diese Fragen in Hamburg auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention.
Bei gleicher Herz-Kreislauf-Belastung prüften die Testpersonen acht Ausdauergeräte in einem Fitness-Studio hinsichtlich Effektivität und Effizienz: Climber, Crosstrainer, Laufband, Rad- und Ruderergometer, Skilanglauftrainer, Stepper und Walker.
Der Gesamtenergieverbrauch war auf dem Laufband am höchsten, auf dem Climber dagegen am niedrigsten. Durchschnittlich verbrannten die Testpersonen 4,85 kcal pro Minute. Den Effizienztest gewann allerdings der Crosstrainer. Hier wurde das Training als am wenigsten anstrengend empfunden. Das höchste Belastungsempfinden wurde auf dem Fahrrad konstatiert.
Die häufigste Motivation, in ein Fitness-Studio zu gehen, ist die Gewichtsabnahme oder -stabilisierung. Obwohl sich gezeigt hat, dass das Laufband hierfür am besten geeignet erscheint, sind alle anderen Geräte ebenfalls wirkungsvoll, müssen allerdings länger genutzt werden, so das Fazit der Fitnessforscher.
Ehemalige Weltklasseläuferin Dr. Birgit Friedmann erhält Forschungspreis der Nenad-Keul-Stiftung

Preisträgerin Dr. Birgit Friedmann (2. von links) und die Vorsitzenden
der Stiftung Radovan Keul (l.) und Dorit Keul. Rechts DGSP-Präsident Prof. Dickhuth
Hamburg, 16. September 2005 – Auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention (DGSP) in Hamburg wurde zum ersten Mal der Forschungspreis der Nenad-Keul-Stiftung verliehen. Die ehemalige Weltklasseläuferin Dr. Birgit Friedmann (45) konnte den mit 5.000 Euro dotierten Preis für ihre Arbeit „Hypoxie als Trainingsreiz: Auswirkungen auf Erythropoese, Muskelstruktur und Leistungsfähigkeit“ entgegennehmen.
Friedmann, die in der sportmedizinischen Abteilung der Universität Heidelberg als Oberärztin arbeitet und 1980 Weltmeisterin im 3.000 Meter-Lauf war, hat sich intensiv mit den Effekten des Höhentrainings beschäftigt. „Für viele Leistungssportler,“ so Friedmann ist die Methode vor einem Saisonhöhepunkt hilfreich. Allerdings gibt es individuell deutliche Unterschiede hinsichtlich der Leistungssteigerung.“
Die Nenad-Keul-Stiftung wurde 1992 von Professor Joseph Keul gegründet, der die deutsche Sportmedizin in den 80er und 90er Jahren ganz wesentlich geprägt hat. Seit seinem Tod im Jahr 2000 führen sein Sohn Radovan beziehungsweise Seine Ehefrau Dorit Keul die Stiftung. Mit den Erträgen der Stiftung sind in den letzten zwanzig Jahren an der Universität Freiburg mehrere sportmedizinische Präventions-Projekte gefördert worden – ein Feld, das aufgrund des Anstiegs der Zivilisationserkrankungen in Deutschland immer wichtiger wird.
Die Deutschen treiben zu wenig Sport
Jeder zweite Deutsche treibt keinerlei Sport! Dies ist das Resultat eines Kooperationsprojektes zwischen der Universität Heidelberg und dem Robert-Koch-Institut in Berlin.
Wie sportaktiv ist die deutsche Bevölkerung? Welche sozialen Einflüsse verleiten dazu, Sport zu treiben? Um diese Fragen zu beantworten, wurden weit über 7.000 Bundesbürger zwischen 18 und 79 Jahren interviewt und untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass nur einer von 13 Deutschen mehr als vier Stunden in der Woche Sport treibt. Der typische Sportler ist jung, männlich, ledig, kommt aus den alten Bundesländern, wohnt am Stadtrand, hat eine hohe Schulbildung und ein großes soziales Netzwerk. Besonders wenig aktiv sind dagegen Frauen, alte und isolierte Menschen, Personen aus unteren sozialen Schichten sowie Menschen aus den neuen Bundesländern. Damit bilden sie eine wichtige Zielgruppe für präventive Bewegungsprogramme.
Dass Freizeitsportler ein ausnahmslos gesundes Leben führten, ist ein Irrtum. So finden sich unter ihnen viele Raucher, einige konsumieren alkoholische Getränke und längst nicht alle achten streng auf gesunde Ernährung. Ein gemeinsames Bier und ein Steak mit Pommes Frites im Vereinsheim nach der sportlichen Betätigung scheint eine sozial wichtige Komponente zu sein. Man spricht vom „genussaffinen Freizeitsportler“.
Intensiver Sport am Wochenende fast so gut wie regelmäßiges Training
Hamburg, 16.9. 2005 – Täglich eine halbe Stunde Sport – diese Empfehlung gilt als der beste Weg, um langfristig fit und gesund zu bleiben. Doch wie sieht für all diejenigen aus, die aufgrund ihrer beruflichen Eingebundenheit nur am Wochenende Zeit für den Sport haben? Ist dies ähnlich effizient?
Eine Arbeitsgruppe der Universität des Saarlandes hat das jetzt eingehender untersucht: Verglichen wurden eine Gruppe, die 5mal in der Woche eine halbe Stunde Walking betrieb, mit einer zweiten Gruppe, die ausschließlich am Wochenende jeweils zweimal 75 Minuten walkte. Alle Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von drei Monaten beobachtet.
Das Ergebnis: Die Ausdauerwerte und die positiven Auswirkungen auf den Blutdruck waren für beide Gruppen gleich, eine gute Nachricht für alle Berufstätigen!
Dass Joggen ein Sport ist, in dem eine schnelle Leistungssteigerung möglich ist, beweist das Marathonprojekt-Hellersen aus Lüdenscheid, bei welchem in nur sechs Monaten aus Joggern Marathonläufer gemacht wurden. In einem speziell angelegten und medizinisch überwachten Training über 24 Monate liefen die Probanden zwischen 35,1 km und 52,1 km pro Woche und steigerten im Verlaufe dieser Zeit ihre körperliche Leistungsfähigkeit um 5-10%. Den Marathon absolvierten am Ende alle Personen erfolgreich. Erfreulichh: in allen Fällen konnten signifikante positive Befindlichkeitsveränderungen in psychischen Bereichen nachgewiesen werden.
Führt Tauchen zu Osteoporose?
Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland betreiben Tauchsport. Möglicherweise jedoch führt das Unterwasser-Erlebnis zu einer frühzeitigen Osteoporose. Wissenschaftler der Universitätsklinik Greifswald haben jetzt beim Deutschen Sportärztekongress in Hamburg eine Untersuchung vorgestellt, bei der es ausschließlich um Hobby-Taucher geht. Über Leistungssport-Taucher hingegen liegen bereits Untersuchungsergebnisse vor, die eine verringerte Dichte des Oberschenkelhalses nach intensivem Tauchen ausweisen.
Die getesteten 15 Hobby-Sportler nahmen als Anfänger an einem einwöchigen Tauchkurs teil, wobei auch ihr Knochenstoffwechsel analysiert wurde. Auffällig war, dass durch das Tauchen die körpereigenen Substanzen zum Knochenabbau erhöht und die für den Knochenaufbau erniedrigt wurden. Eine Konstellation, die bei Menschen mit Osteoporose typisch ist.
Die Gründe hierfür sind noch unklar. Auch bleibt vorerst offen, in welchem Maß diese Beobachtung zu werten ist, doch gibt diese erste Untersuchung Anlass zu weiteren Forschungen.
Schlaue Eltern, schlanke Kinder
Hamburg, 16.9. 2005 – Wenn Kinder dick sind, kann dieses auch am schwachen Bildungsniveau der Eltern liegen. Hierauf deutet eine Untersuchung der Sporthochschule Köln hin, die einen derartigen Zusammenhang an fast 1000 Kindern im Alter zwischen 7 und 10 Jahren überprüft hat. Der Einfluss der Väter war dabei besonders ausgeprägt. Kinder von Vätern mit Abitur wiesen im Durchschnitt einen BMI von 16,6 kg/m2 auf und waren damit deutlich schlanker als Kinder, deren Väter keinen Schulabschluss hatten (BMI 18,0 kg/m2). Bei Mädchen war dieser Zusammenhang besonders häufig festzustellen.
Trainingsmängel bei
Deutschlands Bundesligisten
Hamburg 15. 9. – Es ist die wohl umfangreichste Untersuchung über die Trainingsarbeit der Fußball-Bundesliga, die jemals durchgeführt wurde. Mehr als dreißig Seiten umfasste der Fragenkatalog, den der Hamburger Sportwissenschaftler Pedro Gonzales an die Cheftrainer der Bundesligisten verschickte, in dem es vor allem um Trainings-inhalte im Kraft- und Ausdauerbereich ging. 14 der 18 Vereine beteiligten sich an dieser Umfrage. Das Ergebnis, das jetzt auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention in Hamburg vorgestellt wird, ist erschreckend: In fast allen Clubs wird häufig falsch trainiert.
Vor allem das Verhältnis von Belastung zu Regeneration der Profis stimmt in den meisten Fällen gar nicht: „Die Trainer versperren sich modernen Methoden, weil sie zuwenig darüber wissen“, lautet das Urteil von Pedro Gonzales, der die Bundesligisten besucht hat, bevor er seine Doktorarbeit über Trainingsinhalte der Bundesliga schrieb, um daraus diese erste repräsentative Studie zu erstellten. Im Gegensatz zu den Vereinen der Seria A in Italien, der Primera Division in Spanien, der englischen Premier League oder der NBA scheint man in Deutschland die Entwicklung der modernen Trainingslehre zu verschlafen. Der Grund liegt für Gonzales auf der Hand: „Die Konditionstrainer haben zuwenig Einfluss. Bei Vereinen wie dem AC Mailand oder CF Barcelona rangieren diese Spezialisten gleichrangig neben dem Chefcoach.“ Eine löbliche Ausnahme aber gibt es auch in Deutschland: „Beim HSV hatten wir nichts zu beanstanden, da wird im Fitnessbereich auf höchstem Niveau gearbeitet.“ Vielleicht auch ein Grund für die erfolgreiche sportliche Entwicklung des Hamburger Bundesligisten in den letzten Monaten.
Fitness-Studios haben ein Drogen-Problem
Hamburg, 15.9. 2005 – Cannabis, Kokain, Ephedrin – für Menschen, die regelmäßig ins Fitness-Studio gehen, sollten dies Fremdwörter sein. So ist es aber nicht. Diese erschreckende Erkenntnis brachte jetzt eine auf dem Deutschen Sportärztekongress in Hamburg vorgestellte Untersuchung ans Tageslicht.
In einem schicken Münchener Fitness-Studio, das überwiegend von Akademikern besucht wird, stellte sich nach einer Befragung von über 260 Personen heraus, dass fast 30% der Studio-Besucher verbotene Mittel einnehmen. In erster Linie Stimulanzien, die sogar noch häufiger eingenommen werden als anabole Wirkstoffe zum Muskelaufbau. Innerhalb der Gruppe dieser Abuser wurde zudem festgestellt, dass diese allgemein ungesünder leben. So ist unter ihnen auch ein hoher Prozentsatz Raucher (39 %) zu finden.
Dass diese Studie kein zufälliger Einzelbefund ist, macht eine andere Untersuchung der Universität Tübingen deutlich. Aufgrund einer neuartigen Befragungstechnik (Randomized Respond Technique), die als besonders zuverlässig gilt, kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass man in deutschen Fitness-Studios von einer Dopingprävalenz von 12,4% ausgehen kann. Auch hier stellte sich der Kokainkonsum als besonders häufiges Problem heraus.
Tägliche Sportstunde schützt Kinder vor Übergewicht
Rund 30% der in Deutschland lebenden Kinder leiden an Übergewicht. Neben falscher Ernährung ist der Mangel an Bewegung die Hauptursache. Somit gibt es schon 5jährige, die Altersdiabetes haben. Weitere Folgen sind zu hoher Blutdruck oder Herz-Kreislauferkrankungen, welche in späteren Jahren unweigerlich eintreten.
Kontrollierte und ausreichende Bewegung ist der wichtigste Weg, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Beginnen sollte man damit so früh wie möglich, um das Bewegungsbedürfnis zu fördern bzw. das Verständnis für die Notwendigkeit einer ausreichenden Bewegung bei den Kindern rechtzeitig zu schulen.
Die Universität Freiburg hat in einem Test zu Körperwahrnehmung und Funktionsverständnis im Kindergarten- und Vorschulalter herausgefunden, dass Kinder ab dem fünften Lebensjahr die sensorische Wahrnehmung entwickeln und Interesse an ihrem Körper zeigen. Hier sollte die Prävention einsetzten.
Auch im Rahmen des Schulsportunterrichts sollte unbedingt auf Qualität und Quantität geachtet werden. So hat die Humboldt-Universität Primarschulen in Berlin untersucht, in denen täglich Sportstunden abgehalten werden. Diese tägliche Bewegung, so die Studie, trägt in hohem Maße zur Reduktion des Übergewichtes und zur Leistungssteigerung bei.
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