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Fachpresse
39. Deutscher Sportärztekongress in Hamburg eröffnet
Die Sportmedizin als Hoffnungsträger im
Kampf gegen Zivilisationserkrankungen
Hamburg, 15. September 2005 – Im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten nimmt die Sportmedizin eine zunehmend wichtige Rolle ein. Eine logische Entwicklung, denn die Bewegungsarmut in unserer Gesellschaft ist beispielsweise einer der Hauptgründe für die anhaltend hohen Krankheits- und Sterberaten bei Herz-Kreislauf-leiden. „Bewegung ist Leben“ heißt daher auch das Motto des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), der derzeit in Hamburg mit über 1000 Teilnehmern stattfindet.
„Ohne die notwendige Steigerung der körperlichen Aktivität bei allen Bevölkerungsgruppen,“ so Kongress-Präsident Prof. Klaus-Michael Braumann, „ wird es in der Zukunft zu einer dramatischen Entwick-lung für unser Gesundheitssystem kommen.“
Das Beispiel Alters-Diabetes, ein wichtiger Risikofaktor z. B. für den Herzinfarkt, macht dieses Szenario deutlich. Schon etwa 7 Millionen Menschen sind heute in Deutschland von dieser Erkrankung betroffen. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass bei einer anhaltenden Bewegungsarmut und dem hiermit verbundenen Auftreten eines Übergewichts sich die Zahl der Diabetes-Patienten in den kommenden zehn Jahren sogar verdoppeln könnte. Der Alters-Diabetes, in der Vergangenheit eher ein Leiden im fortgeschrittenen Lebensalter, wird heute zuweilen schon bei übergewichtigen Kindern diagnostiziert.
Neue Erkenntnisse in Verbindung mit Bewegungsprogrammen für Diabetiker sind daher auch einer der Schwerpunktthemen auf dem Hamburger Kongress, der sich überhaupt intensiv mit Sport-möglichkeiten für ältere Menschen beschäftigt. Die vorliegenden Ergebnisse sind dabei ermutigend: Mit der angemessenen Belastung, die jeweils individuell von einem Sportmediziner festgelegt werden sollte, lassen sich hervorragende Resultate hinsichtlich der Verbesserung bestehender Krankheitsbilder bewirken. Oftmals kommt es durch die sportlichen Aktivitäten auch zu einer Steigerung der kognitiven Leistungen der Senioren, ebenso lassen sich eindeutige Verbesserungen hinsichtlich sozialer Kontakte beobachten.
Menschen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, profitieren von einem gezielten Sportprogramm im besonderen Maße. Wahrscheinlich, so die jüngsten Forschungsergebnisse, werden durch den Sport Stammzellen mobilisiert, die in den geschädigten Geweben einen Reparaturprozess einleiten.
Nicht nur bei den älteren Patienten sollte der Einstieg in den Sport zur Verbesserung der Fitness und Gesundheit jedoch immer ärztlich begleitet werden, damit Risiken für Herz und Kreislauf infolge einer zu hohen Belastung vermieden werden. Eine zu hohe Anfangsbelastung kann auch dazu führen, dass die Lust am Sport schnell wieder vergeht und somit die Chance für die Prävention vieler Krankheiten vertan wird. Eine zu geringe Belastung ist allerdings ebenfalls nicht der richtige Weg, da hierdurch die möglichen positiven Effekte für Gesundheit und Wohlbefinden nicht effektiv ausgeschöpft werden.
Für Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden – ebenso eine typische Zivilisationserkrankung unserer Zeit – hat die Sport- und Bewegungsmedizin ebenfalls zunehmend bessere Behandlungsmethoden entwickelt, die bei konsequenter Umsetzung häufig operative Maßnahmen wie Bandscheibenoperationen überflüssig machen.
Hoffnung durch neue operative Verfahren bietet die Sportmedizin allerdings für Sportler mit schweren Knieverletzungen. Die Ergebnisse von Kreuzbandoperationen in Verbindung mit einer intensiven physiotherapeutischer Anschlusstherapie konnten weiter verbessert werden und ermöglichen immer häufiger die erfolgreiche Fortsetzung von Sportlerkarrieren. Auch die Knorpelersatztherapie bei schweren Knieschäden liefert zunehmend bessere Resultate und wird vielleicht in der Zukunft bei bislang hoffnungslosen Fällen wieder eine sportliche Perspektive aufzeigen können.
Die Begleitung des Leistungssports bleibt selbstverständlich weiterhin ein Schwerpunkt der Sportmedizin. In Hamburg werden z. B. neue Erkenntnisse zum Höhentraining vorgestellt. Spektakulär ist auch eine Analyse der Trainingsmethoden in der Fußball-Bundesliga. Betrübliches Ergebnis: Im internationalen Vergleich ist die Trainingsarbeit in den Profiklubs nicht optimal. Speziell die richtige Belastungsdosierung im Training ist bei vielen Profiklubs verbesserungswürdig. „Die zuweilen enttäuschenden Leistungen unserer Nationalmannschaft bzw. das frühzeitige Ausscheiden unserer Klubs in den Europapokalspielen kann durchaus mit den Erkenntnissen der Untersuchung in Verbindung gebracht werden,“ so Prof. Braumann.
Mit künstlichen Gelenken keine falsche Zurückhaltung beim Sport!
Hamburg, 17. September 2005 – Viele Menschen, die ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhalten haben, trauen sich nach der Operation nicht mehr, Sport zu treiben. Dabei sind sogar Aktivitäten wie Skifahren oder Bergsteigen mit einer Endoprothese durchaus möglich. Das wurde auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg deutlich.
Professor K. Günther aus Dresden gab einen Überblick über die Erfahrungen, die Sportmediziner und Orthopäden zum Thema „Sport mit Knie- oder Hüftendoprothese“ gewonnen haben. Demnach treiben viele Patienten weniger Sport als zuvor, obwohl sich die Gelenkfunktion und die Beweglichkeit nach der Operation in der Regel deutlich bessern. Der wichtigste Grund für diese Zurückhaltung ist die Furcht, Sport könnte der Prothese schaden oder andere Komplikationen verursachen. Schmerzen nach dem Eingriff spielen eine geringere Rolle. Zwar wies Günther darauf hin, dass bestimmte Bewegungsabläufe die Prothesen stark belasten. Bei jedem Schritt bergab muss ein künstliches Kniegelenk zum Beispiel – wie ein natürliches Gelenk auch – das achtfache Körpergewicht tragen. Das spreche aber nicht grundsätzlich gegen entsprechende Sportarten. In einer Studie aus der Schweiz lockerten sich die Prothesen bei sportlich aktiven Menschen sogar seltener als bei den Patienten, die sich mit Sport zurück hielten. Günther betonte, dass im Mittelpunkt das Wohlbefinden der Betroffenen stehen sollte. Wenn für einen Patienten mit Gelenkprothese Sport ein wichtiger Teil des Lebens sei, sollte man ihm dieses Stück Lebensqualität nicht nehmen. Übertriebene Vorsicht ist also nicht angezeigt.
Kardiales Risikoscreening bei Sportlern:
Welche Untersuchungen sind notwendig?
Hamburg, 17. September 2005 – Tod auf dem Fußballplatz! Herzinfarkt beim Marathon! Meldungen über schwere kardiale Komplikationen während des Sports sind keine Seltenheit. Wie sich solche Ereignisse durch ein kardiales Risikoscreening verhindern lassen, erläuterte Professor Thomas Meinertz, Kardiologe vom Uniklinikum Hamburg Eppendorf, auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention.
Als Ursache des plötzlichen Herztods während des Sports kommen eine ganze Reihe unerkannter kardialer Erkrankungen in Frage, unter anderem arrythmogene rechts-ventrikuläre Dysplasien, Koronaranomalien, koronare Herzkrankheit, hypertrophe Kardiomyopathie oder Myokarditiden. Um solche kardiale Erkrankungen auszuschließen, ist zunächst eine ausführliche Anamnese – inklusive Familienanamnese – notwendig. Die aktuellen internationalen Guidelines fordern zusätzlich körperliche Untersuchung und EKG. Eine routinemäßige Echokardiographie ist hingegen nicht vorgesehen. Meinertz und seine Zuhörer auf dem DGSP-Kongress waren da ganz anderer Meinung: Nur eine Echokardiographie könne zum Beispiel die hypertrophe Kardiomyopathie sicher ausschließen. Das EKG falle hier oft unauffällig aus. Deshalb hält Meinertz ein Herz-Echo schon bei jungen Leistungssportlern für notwendig.
Ein Belastungs-EKG sei dagegen in erster Linie bei Sportlern über 40 sinnvoll. Die Patienten müssten allerdings unbedingt voll ausbelastet werden. Das bedeutet bei Leistungssportlern oft eine Belastung von 250 oder 300 Watt. Erst dann zeigen sich eventuell ischämiebedingte EKG-Veränderungen. Diese Belastungen, so Meinertz, werden in der Hausarztpraxis fast nie erreicht. Ein weiterer Stolperstein ist die Art der Belastung: Marathonläufer sind in der Fahrradergometrie kraftbedingt längst nicht so leistungsfähig wie beim Laufen. Hier kann zum Nachweis kardialer Risiken eine Ergometrie auf dem Laufband aussagekräftiger sein, weil sie die Patienten besser ausbelastet.
Absolute Sicherheit bietet aber selbst das umfassendste Screening nicht, besonders in Wettkampfsituationen: Nur hier gehen die Sportler wirklich bis an ihre Grenzen – eine Maximalbelastung, die bei Vorsorgeuntersuchungen und auch im Training nicht zu erreichen ist.
Ehemalige Weltklasseläuferin Dr. Birgit Friedmann erhält Forschungspreis der Nenad-Keul-Stiftung

Preisträgerin Dr. Birgit Friedmann (2. von links) und die Vorsitzenden
der Stiftung Radovan Keul (l.) und Dorit Keul. Rechts DGSP-Präsident Prof. Dickhuth
Hamburg, 16. September 2005 – Auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention (DGSP) in Hamburg wurde zum ersten Mal der Forschungspreis der Nenad-Keul-Stiftung verliehen. Die ehemalige Weltklasseläuferin Dr. Birgit Friedmann (45) konnte den mit 5.000 Euro dotierten Preis für ihre Arbeit „Hypoxie als Trainingsreiz: Auswirkungen auf Erythropoese, Muskelstruktur und Leistungsfähigkeit“ entgegennehmen.
Friedmann, die in der sportmedizinischen Abteilung der Universität Heidelberg als Oberärztin arbeitet und 1980 Weltmeisterin im 3.000 Meter-Lauf war, hat sich intensiv mit den Effekten des Höhentrainings beschäftigt. „Für viele Leistungssportler,“ so Friedmann ist die Methode vor einem Saisonhöhepunkt hilfreich. Allerdings gibt es individuell deutliche Unterschiede hinsichtlich der Leistungssteigerung.“
Die Nenad-Keul-Stiftung wurde 1992 von Professor Joseph Keul gegründet, der die deutsche Sportmedizin in den 80er und 90er Jahren ganz wesentlich geprägt hat. Seit seinem Tod im Jahr 2000 führen sein Sohn Radovan beziehungsweise Seine Ehefrau Dorit Keul die Stiftung. Mit den Erträgen der Stiftung sind in den letzten zwanzig Jahren an der Universität Freiburg mehrere sportmedizinische Präventions-Projekte gefördert worden – ein Feld, das aufgrund des Anstiegs der Zivilisationserkrankungen in Deutschland immer wichtiger wird.
Chronisch obstruktive Bronchitis: mit Sport gegen die Luftnot
Hamburg, 16. September 2005 – Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist auf dem Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass die Krankheit weltweit bald zur dritthäufigsten Todesursache wird. Auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg wurde deutlich, dass betroffene Patienten nicht nur Medikamente, sondern zusätzlich ein gezieltes Bewegungstraining benötigen. Warum das so ist, erläuterte Dr. Andreas Meyer aus Mönchengladbach: Körperliche Aktivität steigert auch bei Menschen mit COPD die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität, lindert die Dyspnoe und verbessert möglicherweise sogar die Lungenfunktion. Außerdem verbringen trainierte COPD-Patienten weniger Zeit in Kliniken.
Ob Kraft- oder Ausdauertraining durchgeführt wird, ist nach Aussage Meyers nicht so wichtig – die Trainingseffekte fallen vergleichbar aus. In jedem Fall muss die Bewegungstherapie aber langfristig angelegt sein. Beschränkt sie sich auf einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik, verpufft der Trainingseffekt schnell wieder. Nach dem Klinikaufenthalt sollten die Patienten sich deshalb zum Beispiel einer Lungensportgruppe anschließen. Sinnvoll scheinen Training im Wasser und Sauerstoffgaben während der Belastung.
Für mehr Bewegung in dieser Patientengruppe spricht zudem eine andere Beobachtung: Betroffene, die körperlich nur wenig belastbar sind, haben ein deutlich erhöhtes Mortalitätsrisiko. Patienten, die sich ständig schonen, riskieren einen Teufelskreis: Die Kondition sinkt, und die Lungenfunktion verschlechtert sich weiter.
Hundertausende von Toten durch körperliche Inaktivität und Ernährungsfehler
Hamburg, den 16. September 2005 – Mehr als 350.000 Todesfälle pro Jahr wären allein in den USA vermeidbar, wenn die Menschen körperlich aktiver wären und sich gesünder ernähren würden. Darauf wies Professor J. Larry Durstine von der University of South Carolina auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg hin. Nach Aussage des Rehabilitations-Spezialisten bewegen sich heute 60 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung noch nicht einmal die von der WHO empfohlenen 30 Minuten pro Tag. Durstins Vortrag machte deutlich, dass der Nutzen körperlicher Aktivität gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Sport senkt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes und Osteoporose. Sport beugt Darmkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs und einer Reihe von anderen Tumoren vor. Sport stärkt die Muskulatur, steigert das Wohlbefinden, sorgt für mehr Selbstbewusstsein und hilft, Stress abzubauen. Das alles gilt nicht nur für bislang gesunde Menschen. Gerade chronisch Kranke und bisher wenig aktive Menschen profitieren von körperlicher Bewegung – bei ihnen werden sogar die besten Trainingseffekte erzielt.
Für Menschen mit Übergewicht, Zuckerkrankheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte Bewegung Bestandteil jeder Therapie sein. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich dadurch verlangsamen und oft sogar aufhalten, das Risiko für Komplikationen sinkt. Den Einwand mancher Betroffener, sie würden ja gerne aktiver sein, seien durch ihre Krankheit aber zu stark eingeschränkt, ließ Durstine nicht gelten: „Man ist nur so eingeschränkt, wie man es sich selbst erlaubt“, so sein Kommentar. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass durch Inaktivität der Krankheitsprozess weiter beschleunigt wird. Unter Medizinern hat sich diese Erkenntnis längst durchgesetzt. Ein Beispiel ist die Herzinfarkt-Therapie. Während in den 60er und 70er Jahren betroffene Patienten wochenlang im Krankenhaus lagen, sind es heute in den USA nur noch vier bis fünf Tage. Grundsätzlich gilt: Je kürzer im Bett, desto besser. Sonst nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit dramatisch ab, Komplikationen häufen sich. Grundsätzlich sollte Sport bei chronisch Kranken denselben Grundsätzen folgen wie Sport bei Gesunden, so Durstin. Es gelte lediglich, die individuellen Belastungsgrenzen zu beachten und krankheitsbedingte Risiken zu berücksichtigen. Deshalb sollten sich Menschen mit chronischen Krankheiten von einem Sportmediziner beraten lassen, bevor sie mit dem Training beginnen.
Lobend erwähnte Durstin die vielen Radfahrer, die ihm am frühen Morgen in Hamburg begegneten. „In Deutschland fahren viel mehr Leute mit dem Fahrrad zur Arbeit als in den USA. Hier sollten wir Amerikaner von den Deutschen lernen.“
Sport statt Statine? Aktivität lindert den entzündlichen Effekt erhöhter Cholesterinwerte
Hamburg, 16. September 2005 – Körperliche Fitness kann bei erhöhten Cholesterinwerten die Entzündungsaktivität im Körper vermindern. Zu diesem Schluss kommen Dr. Jens Metrikat vom Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und PD Dr. Jan Ortlepp vom Uniklinikum Aachen nach einer Studie mit fast 2.000 jungen Männern. Die Ergebnisse wurden auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg vorgestellt. „Unsere Studie erklärt zumindest teilweise, warum Sport vor Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann“, so Metrikat. „Denn neben der Hypercholesterinämie selbst sind auch hohe Entzündungsparameter ein Risikofaktor für Artherosklerose.“
Männer mit Cholesterinwerten über 200 mg/dl wiesen in der Studie niedrigere Entzündungsparameter im Blut auf, wenn sie mehr als drei Stunden pro Woche Sport trieben oder auf dem Fahrradergometer besonders gut belastbar waren. Bei weniger aktiven Männern ging eine Hypercholesterinämie regelmäßig mit erhöhten Entzündungsparametern einher. Metrikat: „Dadurch wird bestätigt, dass hohe Cholesterinwerte zu Entzündungsaktivität im Organismus führen. Offensichtlich kann Sport diesen Effekt abschwächen.“
Bei Statinen, kennt man eine ähnliche Wirkung. Auch diese Arzneien senken sowohl die Cholesterinwerte als auch die Entzündungsparameter. „Sport scheint in Bezug auf die Entzündungsaktivität einen der Statinwirkung vergleichbaren Effekt zu haben“, erklärt Metrikat. „Körperliche Aktivität gewinnt dadurch als Präventionsmaßnahme weiter an Bedeutung und könnte oft eine bessere Alternative sein als eine Medikamenteneinnahme.“
Sport im Kindergarten ein wichtiger Weg
Hamburg, 16.9. 2005 – Bereits bei dreijährigen Kindern lässt sich durch regelmäßige Bewegungserziehung die motorische Entwicklung verbessern, der Blutdruck senken und dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimieren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention im Hamburg vorgestellt wurde. K. Ketelhut und ihre Kollegen hatten in sechs Berliner Kindergärten dreimal pro Woche ein spezielles Bewegungsprogramm angeboten. 160 Kinder nahmen daran teil. Sie waren im Schnitt dreieinhalb Jahre alt und wurden mit Mädchen und Jungen aus sechs anderen Kindergärten verglichen, in denen keine Bewegungserziehung erfolgte.
Zu Beginn der Studie unterschieden sich Blutdruck und motorische Entwicklung in beiden Gruppen nicht. Zwei Jahre später ein ganz anderes Bild: Kinder, die zu regelmäßiger Bewegung angehalten worden waren, wiesen jetzt einen niedrigeren Blutdruck auf, besonders unter Belastung. Außerdem hatten sie sich motorisch besser entwickelt – sie konnten zum Beispiel sicherer rückwärts balancieren und schneller laufen. Erfreulicher Nebeneffekt: Die sportliche Förderung glich Entwicklungsdifferenzen zwischen Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten aus. Zu Beginn der Studie waren sozial schlechter gestellte Mädchen und Jungen bezüglich ihrer körperlichen Entwicklung im Nachteil. Diese Unterschiede bestanden nach dem Sportprogramm nicht mehr.
Wie schlecht es um die körperlichen Fertigkeiten deutscher Kinder mittlerweile steht und wie dringend entsprechende Förderprogramme benötigt werden, verdeutlichen zwei Vergleiche: Noch 1995 sprangen 13-jährige Kinder bei Bundesjugendspielen im Schnitt 37 cm weiter als 1999. Und während deutsche Mädchen und Jungen in den 80er Jahren über 600 Kilometer jährlich zu Fuß zurücklegten, sind es mittlerweile nur noch gut 400 Kilometer.
Körperliches Training auch im Alter effektiv und sinnvoll
Damit man es bei Grün wieder über die Ampel schafft
Hamburg, 16. September 2005 – Für Sport ist es nie zu spät – auch bei älteren Menschen kann körperliche Aktivität viel erreichen. Und die Ausrede, man sei schon immer unsportlich gewesen, zieht nicht: Besonders gute Trainingserfolge erzielen unsportliche Senioren. Darauf machte der Sportmediziner Professor M. Kjaer aus Kopenhagen auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg aufmerksam.
Kjaer zeigte, dass sich durch Krafttraining der altersbedingte Abbau der Muskulatur stark verlangsamen und manchmal sogar aufhalten lässt. Selbst bei Menschen, die älter als 80 Jahre sind, werden die Muskelfasern durch Training wieder dicker. Insbesondere die Schnellkraft verbessert sich. Das erleichtert direkt das tägliche Leben: Wer mehr Kraft in den Beinen hat, fällt nicht so schnell hin und erleidet seltener Knochenbrüche. Und selbst wenn es doch passiert, haben trainierte Alte Vorteile. Sie sind nach dem Unfall schneller wieder mobil und haben ein deutlich geringeres Risiko, an sturzbedingten Komplikationen zu versterben. Kjaer verdeutlichte die Trainingserfolge noch an einem anderen Beispiel: Die Ampelphasen in Großstädten sind für viele alte Menschen zu kurz. Training kann dazu führen, dass man es bei Grün wieder über die Straße schafft.
Die Erfolge regelmäßigen Trainings im Alter sind beachtlich: So haben trainierte Menschen über 76 häufig mehr Schnellkraft als junge „Couchpotatoes“. Der Weltrekord über 100 Meter beträgt bei 50-Jährigen 10,5 Sekunden – welcher 20-Jährige schafft das? Und 80-Jährige die diese Strecke in nur etwa 18 Sekunden bewältigen, sind bei gutem Trainingszustand auch keine Seltenheit. Solche Zahlen sollten aber nicht zu falschem Ehrgeiz anstacheln. Kongresspräsident Professor Braumann, Hamburg, wies darauf hin, dass ältere Menschen das Training nur nach sportärztlicher Beratung beginnen sollten So lassen sich gesundheitliche Risiken ausschließen, und ein optimales Trainingsprogramm kann aufgestellt werden. Höchstleistungen sind dabei gar nicht notwenig. Oft reicht es aus, Bewegungsabläufe täglichen Lebens zum Training zu nutzen.
Sport mobilisiert Stammzellen
Hamburg, 17. September 2005 – Wer Sport treibt, mobilisiert seine Stammzellen. Die Zellen können dann das Knochenmark verlassen und sich zu ganz unterschiedlichen Zellarten wie Muskel- oder Endothelzellen weiterentwickeln. Neueste Erkenntnisse zu diesem spannenden Themenfeld stellte Professor W. Bloch von der Sporthochschule Köln auf dem 39. Kongress für Sportmedizin und Prävention in Hamburg vor. Die Forschung bestätigt dabei die Rolle des Sports als effektive Therapieform: Durch die Mobilisierung der Stammzellen hat der Körper die Möglichkeit, Gewebeschäden zu kompensieren und sich veränderten Anforderungen anzupassen.
Mobilisierte Stammzellen bieten zum Beispiel einen Erklärungs-ansatz, warum körperliche Bewegung bei Arteriosklerose sinnvoll ist. So senken Patienten mit koronarer Herzkrankheit, die täglich Ausdauertraining betreiben, ihr Risiko für einen Herzinfarkt stärker und verbessern die körperliche Belastbarkeit deutlicher als eine Aufdehnung der Engpässe in den Herzkranzgefäßen mittels Katheter. Aus Tierversuchen weiß man ferner, dass nach einem Schlaganfall weniger Hirngewebe abstirbt, wenn die Tiere körperlich aktiv sind. Wahrscheinlich stecken hinter diesen Trainingseffekten Vorläufer von Endothelzellen: Sie verlassen das Knochenmark, wandern ins betroffene Areal von Herzmuskel oder Hirn, entwickeln sich dort zu Endothelzellen weiter und können dafür sorgen, dass sich die gestörte Durchblutung normalisiert. Dass diese These nicht aus der Luft gegriffen ist, bestätigten Leipziger Forscher. Wie sie zeigten, erhöht regelmäßige Aktivität bei Ratten mit Herzinfarkt die Ausschüttung von Endothel-Vorläuferzellen aus dem Knochenmark um das vier- bis siebenfache. Patienten mit koronarer Herzkrankheit und entsprechenden Beschwerden haben nach körperlicher Anstrengung mehr dieser Zellen im Blut als zuvor und auch mehr als gesunde Menschen.
Stammzellen spielen aber nicht nur bei Reparaturprozessen am Herz-Kreislauf-System eine Rolle. Auch die Regeneration der Muskulatur dürfte zumindest zum Teil auf Stammzellen zurückzuführen sein. A. Schmidt von der Sporthochschule Köln erläuterte in ihrem Vortrag auf dem DGSP-Kongress die zugrunde liegenden Mechanismen. Demnach regt Sport die Migration mesenchymaler Stammzellen aus dem Knochenmark an. Die Zellen wandern in die Muskulatur und entwickeln sich zu reifen Muskelzellen weiter. Gegenüber der Migration spiele eine verstärkte Proliferation der Stammzellen oder eine verminderte Apoptoserate für den trainingsabhängigen Anstieg ihrer Zahl im Blut eine untergeordnete Rolle.
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